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Ausgabe vom 20/10/2026 2. Jahrgang Berichte vom Ufer, unregelmässig ergänzt

UFERZEIT

Achtsamkeit, Regionales und Reisen rund um Bodensee und Zürichsee

Reisen & Freizeit

Der Bodensee-Radweg: Strecke, Etappen und Abkürzungen über den See

Der Bodensee-Radweg führt auf rund 260 Kilometern durch Deutschland, Österreich und die Schweiz einmal um den ganzen See, Untersee und Überlinger See eingeschlossen. Er ist seit 1983 durchgehend beschildert und lässt sich in beide Richtungen fahren. Wer abkürzen will, nimmt das Schiff: Allein die Fähre zwischen Konstanz und Meersburg erspart den Weg um den Überlinger See.

Von der Redaktion Uferzeit Veröffentlicht am Lesezeit 7 min

Zwei Radfahrende mit Packtaschen auf einem schmalen asphaltierten Uferweg, links Schilf und ruhiges Seewasser, rechts Rebhänge, weiches Licht am frühen Morgen
Schilf auf der einen, Reben auf der anderen Seite: so verläuft der Weg auf vielen Abschnitten am Ufer.

Kurz gesagt: Die ganze Runde misst je nach Quelle 260 bis 263 Kilometer und lässt sich in sieben Tagesetappen von 29 bis 43 Kilometern teilen, mit Start und Ziel in Konstanz. Das Gelände ist überwiegend flach bis leicht hügelig, der Belag grösstenteils asphaltiert. Mit der Fähre von Konstanz nach Meersburg und ohne die Schleife um den Untersee bleiben nach den Etappenangaben rund 120 Kilometer im Sattel.

Wie lang ist der Bodensee-Radweg?

Der Wikipedia-Artikel zum Bodensee-Radweg nennt rund 260 Kilometer, in der Infobox 263; der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club führt die Route auf seiner Seite für Radreisen mit 261 Kilometern. Gemeint ist in allen Fällen die volle Runde um den Obersee, den Überlinger See und den Untersee, mit Start und Ziel in Konstanz, der grössten Stadt am See.

Beschildert ist der Weg seit 1983 durchgehend, und laut Wikipedia sind jedes Jahr über 220.000 Radfahrende auf ihm unterwegs. Auf der Schweizer Seite fällt er mit der Rhein-Route zusammen, dem Schweizer Abschnitt des Rheinradwegs. Nicht zu verwechseln ist er mit dem Bodensee-Rundweg für Wanderer: Der verläuft teils näher am Ufer, teils oberhalb des Sees und ist für Fahrräder oft nicht geeignet oder nicht erlaubt.

In wie vielen Etappen fährt man die Runde?

Eine feste Einteilung schreibt niemand vor. Die Gliederung im Wikipedia-Artikel beginnt in Konstanz, folgt dem Uhrzeigersinn und kommt auf sieben Abschnitte, die sich gut als Tagesetappen fahren lassen. Die Kilometer sind gerundete Richtwerte, die je nach Variante abweichen.

Die sieben Etappen des Bodensee-Radwegs im Uhrzeigersinn, nach der Gliederung bei Wikipedia
Etappe Länge Über
Konstanz nach Stein am Rhein 29 km Ermatingen, Steckborn, Mammern
Stein am Rhein nach Konstanz 43 km Höri, Gaienhofen, Radolfzell, Allensbach
Konstanz nach Überlingen 40 km Mainau, Wallhausen, Bodman-Ludwigshafen, Sipplingen
Überlingen nach Friedrichshafen 31 km Unteruhldingen, Meersburg, Hagnau, Immenstaad
Friedrichshafen nach Bregenz 33 km Eriskirch, Langenargen, Kressbronn, Lindau
Bregenz nach Rorschach 30 km Hard, Rheindelta, Rheineck
Rorschach nach Konstanz 40 km Arbon, Romanshorn, Kreuzlingen

Die ersten beiden Abschnitte bilden zusammen die Schleife um den Untersee: von Konstanz am Schweizer Ufer entlang nach Stein am Rhein und über die Halbinsel Höri und Radolfzell zurück. Wer weniger Tage hat, lässt diese Schleife aus und beginnt die eigentliche Seerunde direkt in Konstanz, oder legt zwei kurze Etappen am Ostufer zusammen, etwa von Friedrichshafen bis Rorschach.

Im oder gegen den Uhrzeigersinn?

Beide Richtungen sind ausgeschildert. Die meisten Beschreibungen folgen dem Uhrzeigersinn, weil man so näher am See fährt: Der See liegt dann rechts, auf der Seite, auf der im Rechtsverkehr gefahren wird. Die Beschilderung ist in den drei Ländern allerdings nicht einheitlich gestaltet, an den Grenzen ändert sich also das Aussehen der Wegweiser.

An einigen Stellen lohnt es sich, bewusst von der Beschilderung abzuweichen. Zwischen Bregenz und Rorschach quert die offizielle Route das Rheindelta auf kurzem Weg; ruhiger ist die Fahrt auf dem Polderdamm am Nordrand des Deltas, vorbei an Riedflächen und Sandstränden. Hinter Schloss Maurach, auf dem Weg von Überlingen nach Unteruhldingen, führt ein Rad- und Fussweg am Naturschutzgebiet Seefelder Aachmündung dichter am Wasser entlang als die beschilderte Strecke.

Wo lässt sich die Runde mit dem Schiff abkürzen?

Die wichtigste Abkürzung ist die Autofähre zwischen Konstanz-Staad und Meersburg. Sie verkehrt seit September 1928, wird von den Stadtwerken Konstanz betrieben und nimmt neben Autos auch Radfahrende und Fussgänger mit. Die Überfahrt über 4,25 Kilometer dauert rund 15 Minuten und ersetzt den 53 Kilometer langen Landweg um den Überlinger See; tagsüber legt in der Regel etwa jede Viertelstunde ein Schiff ab. Im Jahr 2017 beförderte die Fähre nach Angaben der Stadtwerke 359.500 Fahrräder.

Fahrräder mit Packtaschen an der Reling auf dem offenen Deck einer Fähre, dahinter ein Uferort mit Kirchturm vor grünen Hängen, Licht am späten Nachmittag

Die zweite Querverbindung liegt weiter östlich. Die Fährlinie Friedrichshafen-Romanshorn überquert den See an seiner breitesten Stelle: Für die rund 13 Kilometer braucht das Schiff 44 Minuten, tagsüber fährt es einmal pro Stunde in jede Richtung, und es erspart einen Umweg von etwa 70 Kilometern. Weil die Linie in die Schweiz führt, müssen Passagiere beim Verlassen des Schiffs gültige Reisepapiere vorweisen können. Am Untersee schliesslich kann man von Konstanz zuerst auf die Insel Reichenau radeln und von dort mit dem Schiff nach Ermatingen übersetzen.

Abkürzungen über den See im Vergleich
Verbindung Überfahrt Erspart
Konstanz-Staad nach Meersburg 4,25 km, rund 15 Minuten 53 km Landweg um den Überlinger See
Friedrichshafen nach Romanshorn rund 13 km, 44 Minuten Umweg von etwa 70 km
Reichenau nach Ermatingen Schiffsverbindung am Untersee Teil der Strecke am Schweizer Ufer

Wer mit der Fähre nach Meersburg übersetzt und den Untersee auslässt, fährt nach den Etappenangaben noch rund 120 Kilometer: von Meersburg über Friedrichshafen, Lindau und Bregenz nach Rorschach und am Schweizer Ufer zurück nach Konstanz. Wie diese Querverbindungen entstanden sind, erzählt der Beitrag über die Geschichte der Fähren auf dem Bodensee. Auch die Bahnen rund um den See und die Fahrgastschiffe nehmen Fahrräder mit, sodass sich eine Etappe bei Regen oder Gegenwind abbrechen lässt.

Wie anspruchsvoll ist die Strecke?

Der ADFC beschreibt die Route als weitgehend flach. Inzwischen ist der Weg nahezu durchgehend asphaltiert, sodass er sich sogar mit Inlineskates befahren lässt. Für die ganze Runde nennt die Wikipedia-Infobox 1163 Höhenmeter und stuft die Schwierigkeit als leicht ein.

Einige Höhenmeter verlangt der Abschnitt hinter Wallhausen, wo der Weg auf den Bodanrück hinaufführt; ohne Motorunterstützung schiebt man dort mitunter ein Stück. Der Uferweg von Wallhausen durch die Marienschlucht nach Bodman ist für Radfahrende verboten, die Schlucht selbst hat Treppen. Langsamer wird es auch zwischen Überlingen und Friedrichshafen, wo der Radweg mit stark genutzten Wanderwegen gebündelt ist, und zwischen Allensbach und Konstanz verläuft die Route längere Zeit nahe an der Bundesstrasse.

Wer den Bodensee umrundet, fährt durch drei Länder und kann die Runde fast jederzeit über das Wasser abkürzen.

Redaktion Uferzeit, Recherchenotiz

Was liegt am Weg, und was sollte man wissen?

An der Strecke liegen viele der bekannten Ziele der Region. Gegenüber der Insel Reichenau, deren 724 gegründetes Kloster zum UNESCO-Welterbe gehört, folgt der Weg dem Wollmatinger Ried, einem Naturschutzgebiet, in dem um die 300 Vogelarten beobachtet werden. In Unteruhldingen zeigt das Pfahlbaumuseum Nachbauten von Pfahldörfern aus der Stein- und Bronzezeit, in Meersburg erinnert die Burg an die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Bei Langenargen quert die Route die Argen auf der zweitältesten Kabelhängebrücke Deutschlands, und Arbon am Schweizer Ufer geht auf eine römische Siedlung namens Arbor Felix zurück.

Zwischen Überlingen und Friedrichshafen führt der Weg durch Weinorte wie Meersburg und Hagnau, in Nonnenhorn steht ein rund 400 Jahre alter Weintorkel. Was die Winzerfeste in den Weinorten am See ausmacht und wie das Weinjahr dort verläuft, beschreibt ein eigener Beitrag.

Öffentliche Trinkwasserbrunnen gibt es vor allem auf dem Schweizer Abschnitt, in Deutschland etwa bei der Entnahmestelle der Bodensee-Wasserversorgung nahe Sipplingen und in den Ortskernen von Überlingen, Radolfzell und Nonnenhorn. Lebensmittelgeschäfte liegen auf der deutschen Seite deutlich häufiger am Weg als auf der Schweizer. Weil die volle Runde zweimal in die Schweiz und einmal durch Österreich führt, gehört ein gültiger Ausweis ins Gepäck.

Wildes Zelten ist fast überall entlang des Radwegs verboten, Schilder weisen darauf hin. Wer mit Zelt unterwegs ist, plant deshalb Campingplätze als Etappenziele ein; wie man dort mit wenig Gepäck kocht, zeigt der Beitrag über die einfache Küche beim Camping am See. Wer nach der Runde weiterfahren möchte, findet Anschluss an andere Fernradwege, etwa an den Bodensee-Königssee-Radweg ab Lindau oder an den Radwanderweg Donau-Bodensee ab Kressbronn oder Immenstaad.

Häufige Fragen

Wie lang ist der Bodensee-Radweg?

Die volle Runde um Obersee, Überlinger See und Untersee misst rund 260 Kilometer; Wikipedia nennt in der Infobox 263, der ADFC 261 Kilometer. Wer mit der Fähre von Konstanz nach Meersburg übersetzt und den Untersee auslässt, fährt nach den Etappenangaben noch rund 120 Kilometer.

In welche Richtung fährt man den Bodensee-Radweg?

Der Weg ist in beide Richtungen ausgeschildert. Die meisten Beschreibungen folgen dem Uhrzeigersinn, weil man so näher am See fährt: Der See liegt dann rechts, auf der Seite, auf der im Rechtsverkehr gefahren wird.

Kann man das Fahrrad auf die Fähren mitnehmen?

Ja. Die Autofähre zwischen Konstanz-Staad und Meersburg befördert neben Autos auch Radfahrende, im Jahr 2017 nach Angaben der Stadtwerke Konstanz 359.500 Fahrräder. Auch die Fähre zwischen Friedrichshafen und Romanshorn, die Fahrgastschiffe und die Bahnen rund um den See nehmen Fahrräder mit.