Zum Inhalt springen
Ausgabe vom 20/10/2026 2. Jahrgang Berichte vom Ufer, unregelmässig ergänzt

UFERZEIT

Achtsamkeit, Regionales und Reisen rund um Bodensee und Zürichsee

Reisen & Freizeit

Orte am Zürichsee: welche Gemeinden am Ufer liegen und was sie unterscheidet

Zählt man den Obersee mit, grenzen 25 politische Gemeinden aus den Kantonen Zürich, Schwyz und St. Gallen an den Zürichsee. Das rechte Ufer heisst im Volksmund Goldküste, das linke scherzhaft Pfnüselküste, und bei Rapperswil laufen beide am Seedamm zusammen. Dieser Überblick ordnet die Orte nach Ufern, erklärt die Übernamen und zeigt, wie man ohne Umweg von einem Ort zum nächsten kommt.

Von der Redaktion Uferzeit Veröffentlicht am Lesezeit 6 min

Blick von einem Rebhang hinunter auf ein Dorf am Seeufer mit Kirchturm, hölzernen Bootsstegen und ruhigem Wasser im späten Nachmittagslicht
Rebhang, Kirchturm und Bootsstege: so zeigen sich viele Uferdörfer vom Hang aus.

Der Zürichsee ist mit dem Obersee rund 42 Kilometer lang, von der Stadt Zürich bis Rapperswil sind es etwa 28 Kilometer. Seine Gesamtfläche beträgt 88,17 Quadratkilometer: knapp 60 davon liegen im Kanton Zürich, gut 17 im Kanton Schwyz und knapp 11 im Kanton St. Gallen. Wer einen Ort am Zürichsee sucht, sucht deshalb fast immer zuerst ein Ufer, denn die Dörfer und Städte reihen sich an zwei langen Seiten auf und treffen erst am oberen Ende wieder zusammen.

Welche Orte liegen am Zürichsee?

Nach der Aufstellung im Wikipedia-Artikel zum Zürichsee grenzen 25 politische Gemeinden an den See, die Stadt Zürich eingerechnet. Am rechten Ufer folgen von Zürich aus Zollikon, Küsnacht, Erlenbach, Herrliberg, Meilen, Uetikon am See, Männedorf und Stäfa, danach Hombrechtikon, Rapperswil-Jona und am Ende des Obersees Schmerikon. Am linken Ufer liegen Kilchberg, Rüschlikon, Thalwil, Oberrieden, Horgen, Wädenswil und Richterswil, anschliessend im Kanton Schwyz Wollerau, Freienbach, Altendorf, Lachen, Wangen und Tuggen.

Rechts und links beziehen sich, wie bei einem Fluss, auf die Fliessrichtung: Der See entwässert bei Zürich in die Limmat. Zwischen Stäfa und Richterswil ist er mit 3,85 Kilometern am breitesten, zwischen Herrliberg und Oberrieden mit 136 Metern am tiefsten. Dazu kommen zwei Inseln, die zur Schwyzer Gemeinde Freienbach gehören: die bewohnte Ufenau und die unbewohnte, geschützte Lützelau. Die Ufenau ist seit 1805 wieder im Besitz des Klosters Einsiedeln. Auf ihr starb 1523 der Humanist Ulrich von Hutten, sein Grab liegt auf der Insel.

Was gehört zur Goldküste?

Goldküste ist kein amtlicher Name, sondern ein Übername für das rechte Ufer im Bezirk Meilen. Er geht auf die sonnige Lage und auf die vielen wohlhabenden Einwohner zurück. Im engeren Sinn zählen Zollikon, Küsnacht, Erlenbach, Herrliberg und Meilen dazu, oft auch Stäfa; manche rechnen das ganze übrige rechte Ufer hinzu. Die Bahnlinie, die von Zürich aus diesem Ufer entlang nach Rapperswil führt, trägt entsprechend den Spitznamen Goldküstenexpress.

Für einen Ausflug sind die Orte an diesem Ufer vor allem wegen ihrer Geschichte interessant. In Küsnacht ist das frühere Wohnhaus des Psychiaters Carl Gustav Jung heute ein Museum, und der Küsnachter Tobel, eine Schlucht mit Findlingen und einer Höhle, ist als Landschaftsschutzgebiet von kantonaler Bedeutung inventarisiert. In Obermeilen kamen im Januar 1854 bei sehr tiefem Wasserstand erstmals Reste von Pfahlbauten zum Vorschein. Die Fundstelle Meilen-Rorenhaab gehört heute zum UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen, das seit 2011 insgesamt 111 Fundstellen in sechs Ländern umfasst. Am Zürichsee zählen auch Stationen in Zürich, Erlenbach, Wädenswil, Rapperswil-Jona und Freienbach dazu.

Warum heisst das linke Ufer Pfnüselküste?

Pfnüsel ist das zürichdeutsche Wort für Schnupfen. Das linke Ufer bekommt wegen seiner Ausrichtung weniger Abendsonne als die Goldküste und liegt früher im Schatten; der Volksmund hat daraus scherzhaft eine Schnupfenküste gemacht. Der Name sagt also etwas über das Licht am Abend, nicht über die Orte selbst.

Kilchberg, der erste Ort hinter der Stadtgrenze, ist ein literarisches Ziel. Thomas Mann lebte hier von 1954 bis zu seinem Tod 1955 und liegt mit Angehörigen auf dem Friedhof von Kilchberg begraben, wo sich auch das Grab des Dichters Conrad Ferdinand Meyer befindet. Zugleich hat der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli seinen Hauptsitz im Ort, an der Seestrasse, wo der Betrieb seit 1899 angesiedelt ist. Weiter südlich, zwischen Horgen und Wädenswil, ragt die Halbinsel Au in den See. Dort liegen das Landgut Au und das kantonale Weinbaumuseum, und mit Wädenswil-Vorder Au gehört eine weitere Pfahlbau-Fundstelle zum Welterbe.

Wer Rebhänge über dem Wasser mag, wird auf beiden Ufern fündig. Wie eng Weinbau und Seeleben auch am Nachbarsee zusammengehören, beschreibt der Beitrag über Weinbau und Winzerfeste am Bodensee, wo Rebberge ebenfalls bis an die Ufer reichen.

Wo laufen die beiden Ufer zusammen?

Am oberen Ende des Sees, bei Rapperswil. Die Stadt im Kanton St. Gallen ist seit dem 1. Januar 2007 mit Jona zur Gemeinde Rapperswil-Jona vereinigt. Sie nennt sich Rosenstadt, ihr Wappen zeigt zwei rote Rosen, und über der Altstadt steht das Schloss, das um 1220 bis 1230 erbaut wurde. Der Zirkus Knie hat hier seit 1919 seinen Sitz; der Kinderzoo Knie macht die Stadt zu einem häufigen Ziel für Familienausflüge.

Langer, gerader Holzsteg auf Pfählen durch Schilf über einen ruhigen See, gegenüber ein kleiner Ort am Ufer und ein Schloss auf einem Hügel, bewaldete Hänge im Morgendunst, einige Spaziergänger in der Ferne

In Rapperswil beginnt der Seedamm nach Hurden, der den Zürichsee vom Obersee trennt. Er ersetzte 1878 eine hölzerne Brücke, die seit 1360 über das flache Wasser geführt hatte. Seit dem 6. April 2001 gibt es wieder einen Holzsteg für Fussgänger: 841 Meter lang, 2,4 Meter breit und Teil des Schwabenwegs, eines Jakobswegs von Konstanz nach Einsiedeln. Ein alter Pilgerweg verbindet damit die beiden Seen, von denen dieses Journal erzählt. Hurden ist, wie Pfäffikon, ein Ortsteil der Schwyzer Gemeinde Freienbach.

Wie kommt man von Ort zu Ort?

Beide Ufer sind durch Bahnlinien erschlossen, die von Zürich aus dem See folgen, sodass sich die meisten Uferorte ohne Auto erreichen lassen. Quer über den See pendelt seit 1933 die Fähre zwischen Horgen und Meilen. Die rund drei Kilometer lange Überfahrt dauert etwa zehn Minuten, und zwischen sechs und 22 Uhr legt in der Regel alle zehn Minuten ein Schiff ab; fünf Fährschiffe teilen sich die Strecke.

Für längere Wege auf dem Wasser betreibt die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft Kursschiffe zwischen Zürich und Rapperswil, darunter die beiden Raddampfer «Stadt Zürich» von 1909 und «Stadt Rapperswil» von 1914. Die Gesellschaft nennt 1890 als ihr Gründungsjahr, die Linienschifffahrt auf dem See geht aber auf eine 1834 gegründete Vorgängergesellschaft zurück: Das erste Dampfschiff, die «Minerva», unternahm am 19. Juli 1835 seine erste Fahrt nach Rapperswil und nahm fünf Tage später den regelmässigen Kursbetrieb zwischen Zürich und Rapperswil auf. Auch am Bodensee begann der Linienverkehr auf dem Wasser mit Dampfschiffen im 19. Jahrhundert, wie die Geschichte der Bodensee-Fähren zeigt.

Welcher Ort passt zu welchem Ausflug?

Die Wahl hängt weniger von der Schönheit eines Ortes ab als davon, was man sucht. Die folgende Übersicht nennt für einige Uferorte einen belegten Anknüpfungspunkt; sie ist eine Auswahl, keine Rangliste.

Ausgewählte Orte am Zürichsee im Überblick
Ort Ufer und Kanton Anknüpfungspunkt
Kilchberg links, Zürich Gräber von Thomas Mann und C. F. Meyer
Horgen links, Zürich Fähre nach Meilen, seit 1933
Wädenswil links, Zürich Halbinsel Au mit Weinbaumuseum
Küsnacht rechts, Zürich Museum im früheren Wohnhaus von C. G. Jung
Meilen rechts, Zürich Pfahlbaufunde seit 1854, Welterbe
Rapperswil-Jona oberes Ende, St. Gallen Schloss, Altstadt, Holzsteg nach Hurden
Freienbach links, Schwyz Inseln Ufenau und Lützelau, Hurden

Am Zürichsee wählt man zuerst ein Ufer, dann einen Ort, und erst danach die Tageszeit, die über die Stimmung entscheidet.

Redaktion Uferzeit, Recherchenotiz

Wer am See vor allem Ruhe sucht, wählt besser die Stunde als den Ort: Früh am Morgen sind auch bekannte Promenaden leer. Kriterien dafür und einige öffentliche Plätze nennt der Beitrag über ruhige Uferabschnitte abseits der Promenaden. Wer zu Fuss gehen will, sollte wissen, dass es keinen durchgehenden Uferweg rund um den See gibt, nur Teilstücke am Wasser; der Zürichsee-Rundweg mit der Nummer 84 verläuft über weite Strecken oberhalb der Dörfer, etwa an der Goldküste.

Häufige Fragen

Welche Orte liegen am Zürichsee?

Den Obersee eingerechnet grenzen 25 politische Gemeinden aus den Kantonen Zürich, Schwyz und St. Gallen an den See, die Stadt Zürich mitgezählt. Am rechten Ufer liegen unter anderem Zollikon, Küsnacht, Meilen und Stäfa, am linken Kilchberg, Thalwil, Horgen und Wädenswil, am oberen Ende Rapperswil-Jona und Freienbach mit Hurden.

Was unterscheidet Goldküste und Pfnüselküste?

Beides sind Übernamen, keine amtlichen Bezeichnungen. Goldküste heisst das rechte Ufer im Bezirk Meilen, wegen seiner sonnigen Lage und vieler wohlhabender Einwohner. Pfnüselküste nennt der Volksmund scherzhaft das linke Ufer: Pfnüsel ist das zürichdeutsche Wort für Schnupfen, und dieses Ufer liegt am Abend früher im Schatten.

Kann man den Zürichsee zu Fuss umrunden?

Einen durchgehenden Uferweg gibt es nicht, nur einzelne Teilstücke direkt am Wasser. Der Zürichsee-Rundweg mit der Nummer 84 führt um den See, verläuft aber über weite Strecken oberhalb der Dörfer. Bei Rapperswil quert ein 841 Meter langer Holzsteg den See nach Hurden.