Steinhäuser, Hofküche und Wege in den Naturpark
Wie ländliche Steinhäuser in die Landschaft gebaut sind, was eine Hofküche aus lokalen Produkten ausmacht und welche Wege vom Dorf in den Naturpark führen.
Von der Redaktion Uferzeit Veröffentlicht am Lesezeit 5 min
Steinhäuser im ländlichen Raum entstehen dort, wo das Baumaterial unmittelbar vorhanden ist: Feldsteine, Kalk und Holz aus der nächsten Umgebung bestimmen Gestalt und Lage des Gebäudes. Eine Hofküche, die mit lokalen Produkten arbeitet, folgt demselben Prinzip, denn Hülsenfrüchte, Öl, Wein und Gemüse stammen aus den Feldern und Gärten, die das Haus umgeben. Und vom Dorf führen meist alte Fuß- und Fahrwege in die angrenzenden Naturräume, die sich heute als Wander- und Radwege erschließen lassen.
Wer diese Zusammenhänge zwischen Bauweise, Küche und Wegen im italienischen Umbrien betrachten möchte, findet im Quaderno del Subasio über Landleben ein italienischsprachiges Magazin, das sich genau diesen drei Themen rund um Assisi und den Monte Subasio widmet. Die dort beschriebenen casali, also ländliche Steingehöfte, zeigen exemplarisch, wie Architektur, Küche und Landschaft in einer Region zusammenhängen.
Wer von den Steinhäusern am Seeufer weiterdenkt, stösst auf die Hafenstädte, in denen sich Mauern, Kirchen und ein gewachsenes Netz aus Gassen und Befestigungen zu einem eigenen Stadtbild fügen. In solchen Orten lebt oft eine zweite Sprache neben der Amtssprache, getragen von Handel und Zuwanderung, und prägt den Alltag bis in die Namen der Gassen hinein. Die Küche folgt derselben Logik: Sie verbindet, was der Hafen an Waren brachte, mit dem, was das Hinterland hergab, und bleibt dabei schlicht und saisonal.
Wie sind Steinhäuser in die Landschaft gebaut?
Ländliche Steinhäuser fügen sich in die Landschaft ein, weil sie aus ihr heraus gebaut werden. Das beginnt mit der Wahl des Standorts: Ein Hof liegt meist an einem sanft geneigten Hang oder am Rand einer Ebene, geschützt vor kalten Winden, aber mit Zugang zu Wasser und Äckern. Die Mauern bestehen aus Bruchstein, wie er beim Pflügen der Felder oder beim Anlegen von Terrassen anfällt. Nichts am Bauwerk muss über weite Strecken herangeschafft werden.
Die Bauweise folgt dabei eher praktischen als repräsentativen Überlegungen. Die Mauern sind dick, im Erdgeschoss oft über sechzig Zentimeter, und halten die Innenräume im Sommer kühl, im Winter mild. Kleine Fenster, die sich nach Süden oder in Richtung Tal öffnen, lassen Licht herein, ohne die Wärme unnötig zu verlieren. Ökonomieteile, Wohnbereiche und Vorratsräume gruppieren sich um einen Innenhof, der als Arbeitsplatz, Schlafplatz in heißen Nächten und Treffpunkt der Familie dient.
Auffällig ist die Zurückhaltung der Gestaltung. Es gibt keine Verzierungen, die nicht einem Zweck dienen würden. Steinbögen über Türen und Fenstern verteilen Lasten, Vordächer schützen Korn und Heu vor Regen, außenliegende Treppen erschließen das Obergeschoss unabhängig vom Erdgeschoss. Das Ergebnis ist eine Architektur, die vom Betrachter oft als besonders schön empfunden wird, obwohl niemand sie ästhetisch geplant hat. Ihre Schönheit entsteht aus der Übereinstimmung von Material, Funktion und Landschaft.
Um den Monte Subasio in Umbrien sind diese Prinzipien noch heute ablesbar. Die casali stehen einzeln oder in kleinen Gruppen auf den Hängen, von Trockenmauern und Olivenhainen umgeben. Wer die Häuser vom Tal aus betrachtet, erkennt, dass ihre Farben dem Gestein folgen, aus dem sie gebaut sind.
Was gehört zu einer Küche aus lokalen Produkten?
Eine Hofküche, die ernst genommen wird, ist kein Marketingkonzept, sondern eine Folge der ländlichen Arbeitswelt. Ausgangspunkt ist der Garten unmittelbar hinter dem Haus: Tomaten, Bohnen, Zucchini und Kräuter wachsen dort, wo sie später gekocht werden. Die Jahreszeiten schreiben den Speiseplan, nicht die Karte eines Großhandels.
Dazu kommen die haltbaren Grundprodukte des Hofs. Hülsenfrüchte wie Kichererbsen, Linsen und Bohnen, in Umbrien traditionell in bergigen Lagen angebaut, bilden die Basis zahlreicher zuppe, die den Winter über den Mittelpunkt der Küche bilden. Getrocknet im Sommer, eingelagert in Steinkammern und stundenlang auf kleiner Flamme gegart, sind sie das älteste Example ländlicher Kochkunst in der Region.
Das Olivenöl nimmt in dieser Küche eine ähnlich zentrale Rolle ein wie anderswo die Butter. Es wird in den frantoi, den Ölmühlen des Dorfes, aus den eigenen Oliven gepresst und begleitet fast jedes Gericht, von der Suppe bis zum Brot. Der Wein stammt aus den eigenen Reben oder denen des Nachbarn. Käse, Eier und gelegentlich Fleisch kommen vom eigenen Hof.
Eine solche Küche hat auch eine soziale Seite. Das Essen wird im Familienkreis eingenommen, oft in der Küche selbst oder im Hof, und die Rezepte werden mündlich über Generationen weitergegeben. Gerichte, die einst der Not entsprangen, weil sie billige Zutaten reichhaltig machten, gelten heute als Ausdruck einer Region. Für Besucher, die auf einem Hof übernachten, liegt der Wert dieser Küche darin, dass sie die Landschaft, durch die sie am Morgen gewandert sind, am Abend auf dem Teller wiederfinden.
Welche Wege führen vom Dorf in den Naturpark?
Vom Dorf in den Naturpark führen in der Regel Wege, die älter sind als der Park selbst. Es handelt sich um Pfade, die Bauern, Hirten und Holztransporter über Jahrhunderte genutzt haben, bevor sie als Wanderwege markiert wurden. Ihre Verläufe sind kein Zufall: Sie folgen den schonendsten Steigungen, umgehen Felskanten und verbinden Quellen, Kapellen und Aussichtspunkte miteinander.
Die wichtigsten Ausgangspunkte für solche Wege liegen meist am Rand der besiedelten Zone. Vom Ortszentrum dauert der Weg bis zum Beginn der geschützten Fläche selten mehr als eine halbe Stunde zu Fuß. Für Familien eignen sich die breiteren Wirtschaftswege, die sanft ansteigen und mit dem Kinderwagen befahrbar sind. Anspruchsvollere Routen führen über schmale Pfade und Steiganlagen in die höheren Lagen.
Am Monte Subasio, dessen Gipfelregion bis auf 1290 Meter hinaufreicht, lässt sich dieses System gut nachvollziehen. Von den Orten am Fuße des Berges aus führen Fußwege und Radwege in den Parco del Subasio, darunter Routen von Santa Maria degli Angeli, Assisi und Spello aus. Ein besonders ruhiger Zugang beginnt am Eremo delle Carceri, einem Einsiedlerort im Eichenwald oberhalb von Assisi, von dem aus schattige Pfade weiter bergauf führen. Wanderer und Radfahrer finden hier Wege unterschiedlicher Schwierigkeit, die sich über den Tag miteinander verbinden lassen.
Warum sich der Weg lohnt
Wer vom Dorf in den Park aufbricht, erlebt die Landschaft im Zeitmaß ihrer Entstehung. Der Wechsel von Olivenhainen zu Eichenwald und von bewirtschafteten Hängen zu kargem Berggras vollzieht sich allmählich und bleibt zu Fuß erfassbar. Die Aussichtspunkte liegen dort, wo die Bauern schon immer Rast hielten.
Der Rückweg führt fast immer wieder durch das Dorf. An Sommerabenden, etwa am 12. August, wenn in den Orten rund um den Berg ländliche Feste gefeiert werden, endet ein Wandertag an Tischen im Freien, an denen die Küche der Region aufwartet. Auf diese Weise schließt sich der Kreis zwischen Weg, Landschaft und Teller, der das Landleben seit jeher ausmacht.
Wer selbst Steinhäuser, Hofküchen und Wanderwege einer konkreten Region kennenlernen möchte, findet dazu vertiefende Berichte auf dem oben genannten Magazin rund um Assisi und den Monte Subasio.