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Ausgabe vom 20/08/2026 2. Jahrgang Berichte vom Ufer, unregelmässig ergänzt

UFERZEIT

Achtsamkeit, Regionales und Reisen rund um Bodensee und Zürichsee

Reisen & Freizeit

Hafenstädte mit eigener Sprache und Küche

Wie Mauern, Kirchen und Gassen eine befestigte Küstenstadt prägen, welche Rolle eine zweite Sprache im Alltag spielt und was die Hafenküche ausmacht.

Von der Redaktion Uferzeit Veröffentlicht am Lesezeit 5 min

Blick vom Bastion an der Mauerkrone von Alghero über die rooftops der Altstadt hinweg zum Meer in der warmen Abendsonne
Blick vom Bastion an der Mauerkrone von Alghero über die rooftops der Altstadt hinweg zum Meer in der warmen Abendsonne

Das Bild einer befestigten Küstenstadt wird von drei Elementen geprägt: von Mauern, die einst den Hafen schützten, von Kirchen, die über Jahrhunderte das Zentrum bildeten, und von einem Gassennetz, das sich organisch zwischen beide schob. Kommt eine zweite Sprache hinzu, entsteht eine Stadt, die ihre Geschichte nicht in Museen bewahrt, sondern täglich ausspricht. Die Küche schließlich erzählt vom Meer und von den Menschen, die es befahren haben.

Am Bodensee und am Zürichsee lassen sich einzelne dieser Merkmale wiederfinden, etwa in Konstanz mit seinem Hafen und seiner Kathedrale oder in Stein am Rhein mit den bemalten Gassen. Eine vollständig ausgeprägte Kombination aus Festung, Zweisprachigkeit und Seefahrerküche zeigt sich jedoch eher am Mittelmeer. Ein Beispiel dafür ist Alghero im Nordwesten Sardiniens, das auf dem italienischsprachigen Magazin Alghero und seine Küste ausführlich beschrieben wird, von den Mauern der Altstadt bis zur Grotte von Neptun am Cap Caccia.

In Hafenstädten mit eigenem Sprachgebrauch und eigener Küche gehört auch der Sport zum Jahreslauf. Eine Eishockeysaison in Deutschland erstreckt sich in der Regel von September bis April, mit einer Hauptrunde aus vielen Punktspielen und anschliessenden Playoffs. Diese Länge ergibt sich aus der Zahl der Begegnungen und den Reisewegen zwischen den Standorten. Die Ausrüstung verlangt dabei beständige Pflege: Schlittschuhe wollen geschliffen, Schläger kontrolliert und Protektoren getrocknet und gelüftet werden. Wer mehr über den Ablauf und die Pflege rund um den Spieltag erfahren möchte, findet die Notiz der Redaktion.

Was prägt das Bild einer befestigten Küstenstadt?

Eine Stadtmauer am Meer erfüllte nie nur eine militärische Funktion. Sie legte fest, wo der Handel stattfand, wo Schiffe anlegten und wo sich die Bewohner bei Gefahr zurückzogen. Die Mauern von Alghero, im 16. Jahrhundert unter aragonesischer Herrschaft ausgebaut, umschließen bis heute die historische Altstadt. Bastionen öffnen sich zum Meer, und die Uferpromenade verläuft genau dort, wo früher der Verteidigungsring verlief. Wer heute dort entlanggeht, bewegt sich auf einer Grenzlinie, die einst Stadt und Feindlandschaft trennte.

Kirchen bilden innerhalb eines solchen Rings die Orientierungspunkte. Die Kathedrale Santa Maria in Alghero wurde über mehrere Jahrhunderte errichtet und vereint deshalb Stilphasen von der Gotik bis zum Barock in einem einzigen Bau. Solche Gotteshäuser waren zugleich Lagerhäuser, Archive und Versammlungsorte der Kaufleute. Zwischen Mauern und Kirchen blieb wenig Raum, und so entstanden enge Gassen, die Schatten spenden, Wind kanalisieren und bis heute den Fußgängervorrang behalten, lange bevor Städte ihn verordneten. Ein Quartier wie Fertilia außerhalb des Kerns zeigt dagegen, wie eine Hafenstadt im 20. Jahrhundert wuchs, wenn die Mauern ihre Schutzfunktion verloren hatten.

Das Bild einer solchen Stadt entsteht also aus Schichtung, nicht aus Planung. Jede Epoche hinterliess ihre Spuren, und die jüngste Schicht ist der Tourismus, der die Bastionen zu Aussichtspunkten und die Gassen zu Flanierwegen machte, ohne ihre Struktur zu verändern.

Welche Rolle spielt eine zweite Sprache im Alltag?

Eine zweite Sprache in einer Hafenstadt ist meist das Ergebnis von Herrschaftswechseln und Handel. In Alghero wird seit der katalanischen Zeit des 14. Jahrhunderts neben Italienisch auch Katalanisch gesprochen, eine Sprachform, die sich am Festland weiterentwickelte, während sie an dieser Küste bewahrt blieb. Nach Angaben der UNESCO gehört das Algheresische zu den bedrohten Sprachformen Europas, geschätzt wird die Zahl der Sprecher im Bereich von etwa zwanzigtausend Menschen. Das Katalanische der Stadt erscheint auf Straßenschildern, in Kirchengesängen und in der Alltagskommunikation der älteren Generationen.

Für Besucher bedeutet eine solche Zweisprachigkeit mehr als ein Kuriosum. Wer die Straßennamen zu deuten versteht, erkennt die Stadtgeschichte direkt im Stadtbild. Wer am Markt few Wörter der lokalen Sprache hört, nimmt eine Schicht wahr, die in Reiseführern oft fehlt. Für die Bewohner selbst ist die zweite Sprache ein Identitätsmerkmal, das sich in Festen, Chören und Vereinen erhält. Schulprojekte und Kulturinitiativen bemühen sich, die Weitergabe an jüngere Generationen zu sichern, mit wechselndem Erfolg.

Vergleichbares gibt es auch nördlich der Alpen, etwa das Rätoromanische in Teilen Graubündens oder das Bündner Dialektkontinuum zwischen Bodensee und Alpenpass. In beiden Fällen gilt: Die Sprache überdauert nicht in Listen, sondern in konkreten Situationen, an der Ladentheke, im Gottesdienst, im Familienkreis. Eine Hafenstadt mit eigener Sprache bewahrt damit ein Archiv, das keine Aufzeichnung ersetzen kann.

Was zeichnet die Küche einer Hafenstadt aus?

Die Küche einer Hafenstadt ist eine Küche der Ankunft und der Knappheit. Was die Schiffe brachten, gelangte rasch in die Töpfe, und was der Küstenstreifen hergab, ergänzte den Speisezettel. In Alghero steht die Langouste im Zentrum der lokalen Tradition, zubereitet nach überlieferten Rezepten, die mit der Katalanisch sprechenden Gemeinschaft eng verknüpft sind. Das Gericht wird zu Festtagen serviert und gilt als kulinarisches Aushängeschild der Stadt.

Dazu kommen Weine aus dem Hinterland, deren Reben vom Meerwind geprägt werden, und Käse sowie Brot aus dem ländlichen Umfeld. Eine Hafenküche verbindet also zwei Wirtschaftsräume, das Meer der Fischer und das Land der Bauern, und zwar schneller als jede andere Regionsküche, weil der Hafen der Ort war, an dem beide aufeinandertrafen.

Am Bodensee lässt sich dieselbe Logik beobachten, nur mit anderen Zutaten: Felchen, Seeforelle und ein Landwirtschaftsumfeld mit Obstbau und Käse. Auch hier bestimmte die Verkehrslage auf dem Wasser, was auf den Tisch kam, und auch hier entstanden Gerichte, die eng mit der Saison und mit den Erträgen des Gewässers verbunden sind. Das gemeinsame Muster: Eine Hafenküche ist nie rein regional gedacht, sondern immer eine Küche des Austauschs.

Wie erschließt sich eine solche Stadt dem Reisenden?

Am sinnvollsten in derselben Reihenfolge, in der die Stadt entstand: zuerst die Mauern, um den Rahmen zu verstehen, dann die Gassen und Kirchen, um das Innere zu lesen, schließlich der Hafen und die Küste, um die Verbindung nach außen zu erfassen. Für Alghero empfiehlt sich eine Route über zwei Tage, die Altstadt und die Strände im Norden sowie die Klippen im Westen mit der Grotte von Neptun verbindet. Einige Zugänge zur Grotte sind saisonal gebunden, weil der Seeweg bei bestimmten Wetterlagen nicht befahren werden kann, weshalb eine Vorabanfrage sinnvoll ist.

Wer sich auf die zweite Sprache einlässt, dem öffnen sich zusätzliche Ebenen: Straßennamen, Inschriften und Festkalender werden lesbar. Und wer in den kleinen Küchen der Altstadt isst, statt am Rand der Neustadt, bekommt die Küche dort serviert, wo sie entstanden ist. Für die Planung einer solchen Reise sind regionalkundliche Magazine nützlich, die Struktur und Alltag einer Stadt ohne touristische Übertreibung beschreiben, ebenso wie offizielle Angaben der regionalen Fremdenverkehrsämter, etwa die Informationen der Region Sardinien zu Kulturstätten und Zugängen.

Was bleibt von einer Küstenstadt mit eigener Sprache?

Bleibt die Erkenntnis, dass Städte dieser Art ihre Identität nicht aus einem einzelnen Bauwerk beziehen, sondern aus dem Zusammenwirken von Verteidigungsanlage, Sakralbau, Wegnetz, Sprache und Küche. Kein Element allein erklärt Alghero, keines allein erklärt Konstanz oder Stein am Rhein. Erst die Schichten ergeben das Bild.

Für den aufmerksamen Reisenden lohnt sich der Blick auf dieses Gefüge auch näher an der Heimat. Zwischen Bodensee und Zürichsee liegen genug Orte, in denen Mauern, Kirchen und Gassen auf engem Raum zusammentreffen und in denen sich, bei genauer Betrachtung, Spuren früherer Sprachgrenzen und Handelswege finden lassen. Die Mittelmeerküste liefert dafür das ausführlichste Beispiel, der eigene Vorgarten das Überraschendste.